Kurkuma (Curcuma longa)

KurkumaKurkuma, auch Gelbholz, Gelbwurzel oder gelber Ingwer genannt, ist eine südasiatische Gewürz- Färbe- und Heilpflanze aus der Familie der Ingwergewächse (­Zingiberaceae). Sie ist habituell dem mit ihr verwandten Ingwer ähnlich und bildet, wie dieser, Rhizome aus, die sich optisch von den weißen Ingwerknollen nur in der gelben bis gelborangefarbenen Knolle unterscheiden. Die Kurkumapflanze ist eine krautige, ausdauernde Staude mit langen, lanzettlichen, parallelnervigen Blättern und erreicht eine Wuchshöhe von bis zu einem Meter. Verwendung findet hauptsächlich das Rhizom.

Die Kurkumaknolle enthält als Hauptwirkstoff 2-5% ätherische Öle mit Sesquiterpenen, Polyphenolen und Polysacchariden, bis zu 5 % ­Curcuminoide, vor allem bis zu 3 % Curcumin. Darüber hinaus enthält die Kurkumaknolle reichlich Stärke.

Kurkuma findet seit Langem in der asiatischen Küche vielseitige Verwendung und ist eine Hauptzutat des bekannten Currys. Auch die hierzulande beliebten Currypulver - Mischungen enthalten als wesentlichen Bestandteil pulverisierte Kurkumaknollen, welche ihnen ihre typische Farbe verleiht. Während in Indien, dem Hauptabnehmer von Kurkuma, meist die getrocknete und pulverisierte Knolle in der Küche Verwendung findet, wird im südostasiatischen Raum, zum Beispiel in ­der thailändischen Küche auch die frische, geriebene Kurkumaknolle gerne verwendet.

Ein Zusatz von 1-2% Kurkuma zum Getreide wird zum Schutz vor Schädlingsbefall eingesetzt.
Darüber hinaus wird Kurkuma wegen seines niedrigen Preises leider auch zum Verfälschen des wesentlich teureren Safrans missbraucht.

Eine Verwendung als Färbemittel in der Textilindustrie wurde wegen der Instabilität des Curcumin im alkalischen Bereich aufgegeben; mit Curcumin eingefärbtes Papier wird jedoch als Indikatorpapier mit einem Umschlagspunkt von Gelb nach Braun bei pH 8-9, sowie zum Bor-und Boratnachweis verwendet.
Curcumin wird andererseits als Lebensmittelzusatzstoff mit der Nummer E 100 in der Lebensmittelindustrie zum Färben verschiedener Lebensmittel (Margarine, Kartoffelflocken, Senf, Reis, Teigwaren, Süßspeisen, Marmeladen und viele weitere) und wegen der geringen Kosten auch als Safranersatz verwendet.

Kurkuma entfaltet im Wesentlichen protektive Wirkungen, wird aber auch in kurativer Hinsicht vielseitig angewendet.

Curcumae Longae Rhizoma ist im DAB, Ausgabe 10 als pflanzliches Arzneimittel zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden aufgenommen. Die WHO hat Kurkuma als Mittel zur Behandlung von Rheumaschmerzen anerkannt. Bei der Behandlung der rheumatoiden Arthritis erweist sich der Einsatz von Kurkuma, nicht zuletzt aufgrund seiner antioxidativen Wirkung, als sinnvoll und hilfreich.

Kurkuma ist eine altbewährte Heilpflanze und wird als "heilige Pflanze" in der ayurvedischen Medizin als "heißes" Gewürz eingestuft und als reinigend, belebend und stärkend betrachtet. Es wirkt appetit- und verdauungsfördernd, die Magensaft- und Gallenproduktion wird angeregt und das Immunsystem gestärkt.
Auch in der Volksmedizin wird Kurkuma gegen diverse dyspeptische Beschwerden, wie Völle-, Schmerz- und Druckgefühl im Oberbauch, Blähungen und gestörter Fettverdauung sowie aufgrund seiner antioxidativen und antimikrobiellen Wirkung zur Wundbehandlung angewendet.

Neuere, noch nicht abgeschlossene, vielversprechende Forschungen zeigen im Laborversuch deutlich eine entzündungshemmende, antioxidative, antimikrobielle, antimutagene und anticancerogene Wirkung von Curcumin.
Sowohl protektiv als auch kurativ entfaltet Curcumin offenbar Wirkung gegen diverse Formen von Brust-, Prostata-, Lungen- und Darmkrebs. So wird nicht nur die Entstehung, sondern auch die Metastasierung von verschiedenen Tumortypen durch Curcumin nachhaltig beeinflusst. Einem Bericht aus der Universität von Texas zufolge soll Curcumin die Apoptose (Selbstzerstörung) von Melanomzellen einleiten. Die krebshemmenden Eigenschaften des Curcumins stehen seit geraumer Zeit schon im Fokus medizinischer Forschung.

Aufgrund seiner antioxidativen Wirkung kann Kurkuma ebenfalls als Radikalfänger in der Anti-Aging- und Sportmedizin sowie zur Cholesterinregulierung eingesetzt werden. Freie Radikale werden in ursächlichen Zusammenhang mit der Entstehung von chronischen Gelenkentzündungen, Alzheimer, Rheuma, koronaren Herzkrankheiten, grauem Star, Leber- und Nierenleiden gebracht. Bei diesen Erkrankungen kann eine Behandlung mit Kurkuma sich in protektiver Hinsicht positiv auswirken.

Ebenso gibt es Hinweise einer protektiven Wirksamkeit von Curcumin bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), akut-inflammatorischer Lungenerkrankung (ALI), akutem Atemnotsyndrom (ARDS) und allergischem Asthma.
Ferner wurde bei Curcumin eine stabilisierende, dem Knochenabbau entgegengesetzte Wirkung nachgewiesen.

Auch das Immunsystem scheint von der Kurkuma zu profitieren. Curcumin wirkt sich hemmend auf die Synthese enzündungsauslösender Prostaglandine aus.
Darüber hinaus lagern sich, nach einem Bericht im Journal of the American Chemical Society, Curcuminmoleküle in den Zellwänden ab und erhöhen so die Widerstandsfähigkeit der Zellen.

Die Bioverfügbarkeit von Curcumin ist leider sehr gering, jedoch kann sie durch Zugabe von Piperin um den Faktor 2000 erhöht werden. Die gleichzeitige Aufnahme von Kurkuma mit Pfeffer, Zimt und Zitrusfrüchten verbessert die Aufnahme von Curcumin ganz erheblich.

Curcumin ist aus pharmakologischer Sicht als unbedenklich einzustufen; Neben- und Wechselwirkungen sind nicht bekannt. Selbst Dosierungen von 8 Gramm reinem Curcumin, was einer Menge von rund 200 Gramm Kurkumawurzel entspricht, werden problemlos vertragen.

Die Kurkuma erhält man als Gewürzpulver in Lebensmittelgeschäften, Apotheken und Drogerien. Letztere haben aber auch standardisierte Kurkumapräparate wie Kapseln und Extrakte. Curcumin ist sowohl als Monopräparat als auch als Kombinationspräparat in Apotheken, Drogerien und Reformhäusern verkapselt, dragiert oder als Tinktur erhältlich.

Die Kurkuma und ihre Inhaltsstoffe stehen zurzeit vermehrt im Interesse der Forschung und es ist nicht auszuschließen, dass weitere nützliche Eigenschaften der Kurkuma offenbart werden. Alles in allem hat die Kurkuma das Potenzial einer bedeutsamen Heilpflanze.